Iznik-Keramik-Kunst aus dem Nahen Osten ist wunderschön und blickt auf eine lange Geschichte zurück

Die Zeit, Arbeit, Erfahrung und Geduld, die in so einem Kunstwerk steckt

Letzten Sommer war ich zum Urlaub in der Türkei. Dort fielen meinem künstlerischen Auge vor allem die atemberaubend schönen Keramikwaren auf, die es überall in den Touristengeschäften zu kaufen gab. Mitgenommen habe ich keines dieser zerbrechlichen Kunstwerke, jedoch habe ich seitdem etwas Zeit investiert, um mehr über diesen aufwändigen Stil der Keramikglasur herauszufinden. Denn Kunst ist nicht immer nur malen auf der Leinwand! Malen auf jedem anderen Medium ist ebenso Kunst. Und wenn man einen einzigen Blick auf die verschlungenen, komplexen und farbenfrohen Glasuren der Iznik-Keramik wirft, wird einem klar sein, dass hier hochbegabte Künstler am Werk waren.


Iznik, international berühmt für seine meisterhaften Keramikwaren

Vom frühen 14. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war die Stadt Iznik im Nordwesten der heutigen Türkei eine international gefragte Hochburg der Keramikherstellung. Über die Jahrhunderte hatten die Töpfermeister dort einen wunderschönen und einzigartigen Stil entwickelt, der zuerst von der Kunst der Seldschuken und später auch von chinesischem Porzellan inspiriert wurde. Sie bestachen mit ihren filigranen Designs, erst in blau und weiß und später auch in allen Farben, und die Nachfrage wuchs. Die bunten Kacheln wurden zur Verkleidung ganzer Gebäude benutzt, allein in Istanbul in über vierzig Moscheen. Auch ins Ausland wurde geliefert, an europäische Sammler und Bauherren in Nordafrika – business was booming!


Heute ist es Kütahya

Leider endete diese Phase durch einen Rückgang an Qualität, ausbleibender Förderungen durch den osmanischen Hof und Preisverfall durch eine Inflation. Auch das hochqualitative chinesische Porzellan wurde verstärkt importiert und stelle Konkurrenz dar. Nach dem Niedergang der Produktion in Iznik wurde die unscheinbare, weiter landeinwärts gelegene Stadt Kütahya zum neuen Keramik-Zentrum, was es bis heute noch ist, obwohl die Ware dort heute hauptsächlich industriell hergestellt wird – für die Touristenläden, die ich gesehen habe. Wer das nötige Geld hat, kann dort natürlich auch handgetöpferte und handbemalte Keramik erstehen.

Hier ist also ein weiterer Beweis dafür, wie unglaublich wichtig Kunst und Kreativität ist, nicht nur im kulturellen Sinne – auch wirtschaftlich kann man mit guter Kunst sehr weit kommen!


Töpfern ist eine der ältesten Handwerkskünste

Das Formen und bearbeiten von Ton und generell alles, was vor dem Brennen im Keramikofen passiert, ist allein schon eine Wissenschaft für sich. Darüber schreibe ich vielleicht in einem anderen Artikel. Hier widme ich mich dem Teil der Keramik-Kunst, der sich nach dem Brennen anspielt – das glasieren. Das ist ebenfalls eine Wissenschaft für sich, und die Töpfermeister feilen seit Jahrtausenden daran, tolle Farben und Effekte hinzukriegen. Seit Jahrtausenden? Ja, Keramik ist eine der ältesten Handwerkskünste, die es gibt. Die ältesten Keramikfunde sind nicht weniger als 24 000 Jahre alt. Da gebrannter und glasierter Ton ein sehr beständiges, jedoch nicht allzu wertvolles Material ist, bestehen viele archäologische Funde großteilig aus Keramikfragmenten. Alles andere erlag entweder dem Zahn der Zeit oder wurde gestohlen.


Malen mit Glasur: malen mit praktischem Wert

Glasur ist praktisch Oberflächenveredelung. Denn auch ohne Glasur ist ein gebrannter Teller hart und beständig, hat jedoch einfach die poröse Oberfläche von rohem Ton und ist daher nicht wasserdicht. Wenn mit einer glasartigen Schicht Glasur überzogen wird das Keramikprodukt jedoch widerstandfähiger, wasserundurchlässig und leichter zu reinigen. Das Glasieren ist eine Kunst, die also auch einen sehr praktischen Zweck hat! Davon bin ich ja sowieso ein Fan. Die Schwierigkeiten lagen hauptsächlich darin, das richte Mineralmehl-Gemisch für bestimmte Farben und die richtige Brenn-Temperatur zu erreichen. Die Töpfer-Meister in Anatolien hatten all dieses Wissen, was ihnen erlaubte, den kreativen, malerischen Aspekt der Arbeit zu perfektionieren. Die Resultate sind auch heute noch atemberaubend schön und werden weltweit in Museen bewundert. Ich selbst habe richtig Lust bekommen, mich mal an der Tonmalerei zu versuchen, und mich für einen Kurs angemeldet. Versucht es doch auch einmal!

Lies gerne auch meine anderen Artikel zu verschiedenen Themen rund um die Kunst und das Leben eines Künstlers von heute:

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